Strategy

Die Datenlücke in der Unternehmenskommunikation und wie man sie schliesst

Warum Reichweite allein keine Antwort ist und was Kommunikationsverantwortliche stattdessen brauchen

Der Report liegt vor. Die Fragen bleiben offen.

Quartalsende. Der Komm-Report ist fertig: LinkedIn-Reichweite gestiegen, Newsletter-Öffnungsrate stabil, Instagram-Engagement leicht rückläufig. Alles dokumentiert, alles aufbereitet.

Dann kommt die Frage aus der Geschäftsleitung: «Haben wir dieses Quartal eigentlich genug zum Thema Nachhaltigkeit kommuniziert? Und erreichen wir damit überhaupt unsere Kernzielgruppen?»

Stille.

Nicht, weil die Kommunikationsabteilung schlechte Arbeit geleistet hat. Sondern, weil die verfügbaren Daten diese Frage schlicht nicht beantworten können. Das ist die Datenlücke und sie betrifft die meisten Kommunikationsabteilungen im DACH-Raum.



Der Report liegt vor. Die Fragen bleiben offen.

Quartalsende. Der Komm-Report ist fertig: LinkedIn-Reichweite gestiegen, Newsletter-Öffnungsrate stabil, Instagram-Engagement leicht rückläufig. Alles dokumentiert, alles aufbereitet.

Dann kommt die Frage aus der Geschäftsleitung: «Haben wir dieses Quartal eigentlich genug zum Thema Nachhaltigkeit kommuniziert? Und erreichen wir damit überhaupt unsere Kernzielgruppen?»

Stille.

Nicht, weil die Kommunikationsabteilung schlechte Arbeit geleistet hat. Sondern, weil die verfügbaren Daten diese Frage schlicht nicht beantworten können. Das ist die Datenlücke und sie betrifft die meisten Kommunikationsabteilungen im DACH-Raum.



Was Kanal-Reporting leistet und was nicht

Klassisches Kanal-Reporting ist nicht wertlos. Es zeigt, ob ein Beitrag gesehen wurde, wie eine Kampagne auf einem bestimmten Kanal performt hat, wo die Öffnungsrate liegt. Für operative Entscheidungen welches Format funktioniert auf welchem Kanal sind diese Zahlen durchaus relevant und nützlich.

Das Problem entsteht, wenn Kanal-Daten die einzige Grundlage für strategische Kommunikationsentscheide sind. Denn sie messen auf der falschen Ebene: auf Kanal-Ebene statt auf Themen- und Zielgruppen-Ebene.

Die Fragen, die Geschäftsleitungen tatsächlich beschäftigen, lauten anders:

  • Kommunizieren wir tatsächlich zu den Themen, die unsere Strategie vorgibt oder haben wir uns im Alltag davon entfernt?

  • Welche Zielgruppen erreichen wir regelmässig und welche haben wir seit Monaten nicht mehr angesprochen?

  • Wo investieren wir Ressourcen, ohne den strategischen Beitrag sehen zu können?

  • Wie entwickelt sich unser Kommunikationsfokus über die Zeit und bemerken wir eine Verschiebung, bevor sie zum Problem wird?

Keine dieser Fragen lässt sich mit Impressions, Klicks oder Follower-Zahlen beantworten. Nicht, weil die Zahlen falsch wären sondern weil sie auf einer anderen Dimension messen.


Woher die Lücke kommt

Die Datenlücke ist nicht das Ergebnis mangelnder Sorgfalt. Sie ist strukturell bedingt durch die Art, wie Kommunikation heute in den meisten Organisationen geplant und gemessen wird.

Der typische Ablauf sieht so aus: Die Kommunikationsstrategie wird in PowerPoint entwickelt, strategische Themen und Zielgruppen werden definiert. Im Alltag wird dann kanalorientiert gearbeitet: Was posten wir heute auf LinkedIn? Was geht in den Newsletter? Was kommt auf die Website? Die Verbindung zwischen dem strategischen «Warum» und dem operativen «Was» geht dabei oft verloren.

Am Ende des Quartals wird kanalweise ausgewertet und genau hier schliesst sich der Kreis nicht. Es gibt keine Antwort auf die Frage, ob die Kommunikation des vergangenen Quartals die definierten strategischen Themen proportional abgedeckt hat. Oder ob eine Zielgruppe systematisch vergessen wurde.

Hinzu kommt ein praktisches Problem: Das manuelle Zusammenführen von Daten aus verschiedenen Kanälen ist zeitaufwändig und fehleranfällig. Meta, LinkedIn, Newsletter-Tools alle liefern Zahlen in unterschiedlichen Formaten, mit unterschiedlichen Zeithorizonten und unterschiedlichen Bezeichnungen. Was bei einem Kanal «Impressionen» heisst, heisst beim nächsten «Aufrufe». Follower-Zahlen sind oft nur als aktuelle Momentaufnahme verfügbar, nicht als historische Zeitreihe. Das Erstellen eines aussagekräftigen Reports kostet Stunden und das Resultat beantwortet die eigentlich relevanten Fragen trotzdem nicht.


Der Perspektivwechsel:

Von Kanälen zu Themen

Was wäre die Alternative? Der Schlüssel liegt in einem konzeptionellen Wechsel: weg vom Kanal als Ausgangspunkt, hin zum Thema und zur Zielgruppe.

Das klingt einfacher als es ist denn es erfordert, die gesamte Kommunikationsplanung anders aufzubauen. Nicht mehr: «Was posten wir auf welchem Kanal?» Sondern: «Zu welchem strategischen Thema kommunizieren wir und welche Zielgruppe wollen wir damit erreichen?»

Wenn Themen und Zielgruppen zum Ausgangspunkt jeder Kommunikationsmassnahme werden, verändert sich auch die Auswertung grundlegend. Statt kanalbezogener Einzelzahlen entsteht ein Bild der Kommunikation entlang strategischer Achsen:

Welches Thema hat in den letzten drei Monaten wie viel Kommunikationsleistung erhalten? Welche Zielgruppe wurde intensiv bespielt und welche kaum? Gibt es Themen, die in der Strategie Priorität haben, im Alltag aber hinten hinterherhinken?

Das sind Fragen, auf die Kommunikationsverantwortliche Antworten haben sollten. Und es sind Fragen, die Kommunikation vom Kostenfaktor zum nachweisbaren Strategietreiber machen.

Ein weiterer Aspekt, der in der Praxis oft unterschätzt wird: Nicht jede Zielgruppe ist auf jedem Kanal unterwegs. Wer jüngere Zielgruppen erreichen will, wird sie kaum auf Facebook finden. Wer ältere Entscheidungsträger ansprechen möchte, wird auf TikTok wenig Wirkung erzielen. Themen-orientierte Planung bedeutet deshalb auch, Kanal-Entscheidungen konsequent aus der Zielgruppen-Logik abzuleiten und nicht umgekehrt.


Von der Theorie zur Praxis

Der Wechsel von Kanal-Denken zu Themen-Denken ist kein rein technisches Problem. Er beginnt mit einer strukturellen Entscheidung: Wie wird Kommunikation in der Organisation geplant?

Organisationen, die diesen Schritt vollzogen haben, berichten von spürbaren Veränderungen im Arbeitsalltag: weniger Zeitaufwand für das Zusammenführen von Daten, mehr Klarheit über den strategischen Beitrag der Kommunikationsarbeit und eine deutlich bessere Grundlage für Gespräche mit der Geschäftsleitung.

Was das konkret bedeuten kann, zeigt das Beispiel eines Schweizer Unternehmens, das den Wechsel von einer Excel-basierten Planung zu einer themenorientierten Kommunikationsstruktur vollzogen hat mit messbaren Auswirkungen auf Effizienz und Transparenz.

Den ganzen Case lesen ➔


Was eine gute Komm-Auswertung leisten sollte

Zusammenfassend lässt sich definieren, was eine Kommunikationsauswertung leisten sollte, die diesen Namen verdient:

Sie sollte zeigen, ob die Kommunikation strategiekonform ist also, ob die definierten Themen tatsächlich bespielt werden. Sie sollte Auskunft geben über Zielgruppen-Abdeckung wer regelmässig erreicht wird und wer nicht. Sie sollte die Entwicklung über die Zeit sichtbar machen nicht nur den aktuellen Momentzustand. Und sie sollte den Ressourceneinsatz nachvollziehbar machen damit Kommunikation als Investition verstanden werden kann, nicht als Kostenstelle.

Das ist kein utopisches Anforderungsprofil. Es ist der Standard, den moderne Kommunikationsarbeit erfüllen sollte und der heute mit den richtigen Werkzeugen erreichbar ist.


Fazit

Die Datenlücke in der Unternehmenskommunikation ist real aber sie ist schliessbar. Der erste Schritt ist ein konzeptioneller: Kommunikation wird nicht mehr «Kanal-First» gedacht, sondern «Themen- und Zielgruppen-First» geplant. Was folgt, ist eine Auswertung, die nicht nur zeigt, ob ein Kanal funktioniert hat sondern ob die Kommunikation das geleistet hat, wofür sie gedacht war.


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